Transkriptionsregeln für die Abschlussarbeit: einfach, erweitert und was die KI liefert
16. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Für Interviews in der Abschlussarbeit verlangen Lehrstühle meist feste Transkriptionsregeln. Was einfache und erweiterte Transkription unterscheidet, was ein KI-Transkript schon mitbringt und was Sie von Hand ergänzen müssen.
Wer für die Bachelor- oder Masterarbeit Interviews führt, muss sie verschriften — und zwar nach Regeln, die im Methodenteil stehen. Verbreitet sind im deutschsprachigen Raum die Regeln aus dem Praxisbuch von Dresing und Pehl. Sie unterscheiden grob zwischen einfacher und erweiterter Transkription.
Einfache Transkription
Hier zählt der Inhalt. Es wird wörtlich transkribiert, aber geglättet: Dialekt wird ins Hochdeutsche übertragen, Wortverschleifungen werden angepasst („so’n“ wird zu „so ein“), Stottern und abgebrochene Wörter fallen weg. Pausen werden markiert, Sprecher mit Kürzeln wie I für die interviewende und B für die befragte Person gekennzeichnet. Zeitmarken stehen am Ende oder Anfang jedes Absatzes.
Erweiterte Transkription
Hier zählt auch das Wie. Füllwörter wie „äh“ und „ähm“, Wortabbrüche, Betonungen, Lachen, Überlappungen und genaue Pausenlängen werden festgehalten. Das ist nötig, wenn Sie Gesprächsverhalten analysieren — etwa in der Linguistik oder bei bestimmten psychologischen Fragestellungen.
Was ein KI-Transkript mitbringt
| Merkmal | KI-Transkript | Nacharbeit |
|---|---|---|
| Wörtlicher Inhalt | weitgehend vorhanden | Namen, Fachbegriffe, Zahlen prüfen |
| Glättung von Dialekt | erfolgt oft automatisch | für einfache Regeln meist passend |
| Füllwörter, Stottern | werden oft weggelassen | für erweiterte Regeln von Hand ergänzen |
| Sprecherkennzeichnung | mit Paket: Sprecher 1, 2, … | durch I und B ersetzen |
| Zeitmarken | an jedem Abschnitt | ins geforderte Format bringen |
| Pausen, Lachen, Betonung | nicht enthalten | von Hand ergänzen |
Für die einfache Transkription ist ein KI-Transkript damit eine sehr gute Grundlage: Die meiste Arbeit besteht im Prüfen und Anpassen, nicht mehr im Abtippen. Für die erweiterte Transkription bleibt deutlich mehr Handarbeit, weil Modelle genau die Merkmale weglassen, um die es dort geht.
Ein praktischer Ablauf
- Aufnahme mit Sprechertrennung transkribieren und als Word exportieren.
- „Sprecher 1“ und „Sprecher 2“ per Suchen und Ersetzen in I und B umbenennen.
- Das Transkript einmal komplett mit der Aufnahme abgleichen; bei Unsicherheit die Zeitmarke anklicken.
- Regeln Ihres Lehrstuhls anwenden: Pausenzeichen, Unverständliches markieren, Anonymisierung.
- Namen, Orte und Arbeitgeber anonymisieren, bevor das Transkript in den Anhang kommt.
Geben Sie im Methodenteil an, dass Sie ein automatisches Transkript als Grundlage genutzt und vollständig manuell geprüft haben. Das ist transparent und entspricht der Arbeitsweise, die viele Lehrstühle inzwischen erwarten.